100 Jahre nach Zille: Berlins Parteien geben ihr Versprechen gegen die Wohnungsnot
Kurz vor der Berlin-Wahl präsentiert das Zille Museum die Ergebnisse seines Berlin-Wahl-Checks – die Antworten der Parteien sind ab dem 10. September vollständig in einer Sonderausstellung im Museum zu sehen.
Wohnungsnot, steigende Mieten und die Frage, wer sich das Leben in Berlin noch leisten kann: Was Heinrich Zille vor rund 100 Jahren in seinen Zeichnungen und Fotografien festhielt, ist im Berlin des Jahres 2026 wieder zu einer der drängendsten sozialen Fragen geworden.
Kurz vor der Berlin-Wahl am 20. September präsentiert das Zille Museum jetzt die Ergebnisse seines Berlin-Wahl-Checks zur Wohnungsfrage. Das Museum hat die zur Wahl antretenden Parteien aufgefordert, eine einzige konkrete Frage zu beantworten:
„Welche eine konkrete Maßnahme würden Sie in der kommenden Legislaturperiode umsetzen, damit sich Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen das Leben in Berlin weiterhin leisten können?“
Die Resonanz ist groß: Eine deutliche Mehrheit der angefragten Parteien hat sich beteiligt. Ihre Antworten werden ab dem 10. September vollständig und ungekürzt im Zille Museum ausgestellt. Damit werden die konkreten wohnungspolitischen Versprechen der Parteien unmittelbar vor der Wahl öffentlich dokumentiert.
Karten für den Ausstellungsbesuch gibt es direkt im Museum von Mittwoch bis Samstag 11 bis 18 Uhr und Sonntag 13 bis 18 Uhr sowie unter:
E-Mail: zillemuseum@outlook.com
Telefon: 030 246 32500
Vom Tempelhofer Feld bis zur Enteignung
Wie unterschiedlich die Parteien die Wohnungsnot lösen wollen, zeigt sich in den Antworten deutlich. Hier schon vorab einige Meinungsbeispiele:
Die CDU Berlin setzt vor allem auf mehr Wohnungsbau, schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie, Aufstockung und Nachverdichtung – und nennt ausdrücklich auch eine behutsame Randbebauung des Tempelhofer Feldes.
Bündnis 90/Die Grünen will leerstehende Büroflächen in Wohnungen umwandeln und keine neuen Bürotürme mehr zulassen, solange in Berlin große Büroflächen leer stehen.
Die Linke stellt die Umsetzung des Volksentscheids „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ in den Mittelpunkt und will Wohnungen großer Immobilienunternehmen dem Kapitalmarkt entziehen.
Die AfD Berlin fordert dagegen niedrigere Wohnnebenkosten, weniger Bauvorschriften und schnellere Planungs- und Bauzeiten und spricht sich ausdrücklich gegen Enteignungen aus.
Andere Parteien schlagen unter anderem dauerhafte Preisbindungen für Sozialwohnungen, die Umwandlung leerstehender Gewerbeflächen, einen gelosten Bürgerrat zum Thema Wohnen oder Änderungen im Baurecht vor. Die Spannweite ist groß – die Frage ist für alle dieselbe.
Die Antworten werden Teil der Sonderausstellung
Das Besondere: Die Antworten werden nicht zusammengefasst oder politisch bewertet. Die Parteien kommen mit ihren eigenen Worten zu Wort. Ihre Statements werden vollständig im Zille Museum präsentiert und historischen Arbeiten Heinrich Zilles zur Wohnungsnot und zum Leben in den Berliner Mietskasernen gegenübergestellt.
So treffen zwei Momentaufnahmen derselben Stadt aufeinander: das Berlin, das Zille vor rund 100 Jahren beobachtete, und das Berlin, über dessen Zukunft am 20. September 2026 abgestimmt wird. Und die Antworten behalten auch nach dem Wahltag ihre Bedeutung. Kerstin Siegling, Museumsdirektorin des Zille Museums: „Wir wollten keine langen Wahlprogramme, sondern eine konkrete Antwort auf eine konkrete Frage. Mit den Antworten der Parteien dokumentiert die Sonderausstellung nicht nur den Wahlkampf, sondern auch Versprechen, an denen sich die Parteien später messen lassen müssen.“
Zilles „Wohnungsnot“ ist wieder Gegenwart
Heinrich Zille (1858 – 1929) erlebte Berlin als eine rasant wachsende Metropole. Industrialisierung und wirtschaftlicher Aufstieg veränderten die Stadt, doch viele Berlinerinnen und Berliner lebten in überfüllten Mietskasernen, Hinterhöfen und beengten Wohnungen. 1924 gab Zille einer Zeichnung einen denkbar einfachen Titel: „Wohnungsnot“. Mehr als 100 Jahre später ist das Wort wieder Teil der politischen Gegenwart Berlins.
Das Zille Museum will mit der Sonderausstellung keine Wahlempfehlung geben. Alle Parteien erhielten dieselbe Frage, dieselben Bedingungen und denselben Raum für ihre Antwort. Die Ausstellung fragt vielmehr, was Berlin aus einem Jahrhundert Wohnungsnot gelernt hat – und hält fest, was diejenigen versprechen, die die Stadt nach dem 20. September regieren wollen. Das Zille Museum lädt auch die Besucherinnen und Besucher ein, Wünsche, Meinungen und Perspektiven einzubringen und schriftlich in den Dialog zu treten. Diese Stellungnahmen sind ebenfalls öffentlich einsehbar.
Heinrich Zille – Das Original! Verborgene Bilder.
„Es gibt mehr als einen Zille: einen, der die typischen Illustrationen für Witzblätter machte, und daneben einen anderen. Der zeichnete ganz ohne Nebenzweck und Hintergedanken . . . und dieser ist mir der liebste. Der ist weder Humorist noch Satiriker. Er ist restlos Künstler. Ein paar Linien, ein paar Striche, ein wenig Farbe mitunter – und es sind Meisterwerke.“
Käthe Kollwitz
Ab dem 10. Januar 2026 lädt das Zille Museum zu einer Ausstellung, die den oft unterschätzten Künstler Heinrich Zille in den Mittelpunkt rückt. Unter dem Titel „Heinrich Zille – Das Original! Verborgene Bilder“ werden seltene Originale und einige bislang unbekannte Werke des großen Zeichners präsentiert, um sein künstlerisches Erbe neu zu beleuchten.
Die Ausstellung zielt darauf ab, seine Vielfalt und das technische Raffinement seiner Arbeiten zu betonen. Gezeigt werden Werke aus Privatsammlungen, darunter frühe, aufwändig überarbeitete Druckgraphiken, farbige Radierungen, Farbzeichnungen sowie eindrucksvolle Bleistift-Skizzen.
Die ausgestellten Arbeiten dokumentieren nicht nur das kreative Talent Zilles, sondern auch sein Können im Erfassen von Formen und Bewegungen.
Besuchen Sie uns im Zille Museum und entdecken Sie die unbekannten Facetten Heinrich Zilles. Die Ausstellung wird verlängert bis zum Dezember 2026, danach werden die Werke wieder die „Verborgenen“ sein.
Karten für den Ausstellungsbesuch gibt es direkt im Museum von Mittwoch bis Samstag 11 bis 18 Uhr und Sonntag 13 bis 18 Uhr sowie unter:
E-Mail: zillemuseum@outlook.com
Telefon: 030 246 32500

